DU oder SIE

Als Kinder hatten wir alle kein Problem mit dem Du. Da waren alle Menschen „Du“. Später haben uns unsere Eltern und Lehrer dann beigebracht, dass man nicht einfach jeden duzen darf. Erwachsene, die nicht zum Familien- oder näheren Bekanntenkreis gehörten, sollten wir nun siezen. Diese Empfehlung gilt heute noch, aber nun sind wir selbst erwachsen und manchmal ist das gar nicht so einfach mit der Anrede.

 

Innerhalb gewisser Gruppen, wie zum Beispiel im Verein, im Fitnessstudio, in einer Selbsthilfegruppe oder in den Gewerkschaften, ist das Du allgemein üblich. Sonst gilt erst einmal: Erwachsene Menschen siezen sich.

 

Wer dies nicht möchte, sollte das Thema zur Sprache bringen. Hier setzen dann aber auch die Schwierigkeiten ein. “Wer darf das Du anbieten?“ – “Wie mache ich deutlich, dass ich geduzt werden möchte? “ – “Kann ich ein Du ablehnen?“, sind häufig gestellte Fragen.

 

Das Signal, dass man geduzt werden möchte, ist einfach zu geben. Nenne bei der Vorstellung (z.B. auf einer Party) nur deinen Vornamen, ist das die Einladung zum Du. Vorsicht allerdings im Berufsleben, als neuer Kollege solltest du erstmal abwarten, was in der Abteilung üblich ist. Im Job gelten, anders als im privaten Bereich, streng hierarchische Regeln. Diejenigen, die in der beruflichen Rangfolge höher stehen, bieten das Du an. Ein Assistent wird also nicht seine Abteilungsleiterin fragen: „Eigentlich könnten wir uns doch duzen, oder?“ Es gibt in diesem Zusammenhang aber auch Ausnahmen. In Firmen mit flachen Hierarchien gehört es oft zur Unternehmenskultur, dass die Mitarbeiter sich duzen. Ich denke da an den Bereich der Werbung oder an Firmen wie Ikea.

 

Im Privatleben brauchen wir uns heute nur noch eine Regel zu merken: Deutlich ältere Menschen (eine Generation älter) haben das Recht, zu entscheiden, ob sie sich mit euch duzen möchten. Geringe Altersunterschiede und das Geschlecht spielen keine Rolle mehr. Übrigens wird heute auch nicht mehr „Brüderschaft getrunken“, womit dann der Bruderkuss auch ausfällt.

 

Ein Du-Angebot darf selbstverständlich verweigert werden. Überlege dir aber immer, welche Folgen diese Ablehnung für dich haben könnte. Gehe diplomatisch vor und liefre eine gute Begründung.

 

Manchmal ist das „Hamburger Sie“, nämlich der Vorname und das Sie, eine gute Lösung. Allerdings höre ich auch oft von Teilnehmern, dass sie das ganz besonders schrecklich finden. Mir gefällt diese Zwischenlösung gut.

 

Was mir gar nicht behagt, sind Äußerungen, die ich manchmal im Kaufhaus höre. Wenn ein „Frau Meyer, kannst du der Kundin mal die Bestellung raussuchen?“ durch die Abteilung schallt, ist das alles andere als stilvoll.

 

Noch schlimmer ist das Duzen von „oben herab“ – es ist distanz- und respektlos.

 

Für mich hat das Sie eine höfliche und freundliche Distanz, während das Du eine persönliche Nähe hat. Entscheidet selbst, wie wichtig euch „Sie“ und „Du“ sind. Die wichtigsten Regeln habt ihr nun gelesen.

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